
© 2003 - 2010
Gymnasium Carolinum
Seit 1985 pflegen das Gymnasium Carolinum und die Highworth Warneford School in Highworth über den Englandaustausch / German Exchange freundschaftliche Beziehungen.
Highworth bei Swindon/Südwest-England ist eine Kleinstadt mit ca. 10.000 Einwohnern. Sie liegt im Norden der Grafschaft Wiltshire in einer der schönsten und reizvollsten Landschaften Englands nicht weit entfernt von der Quelle der Thames am Fuße der Cotswolds. Oxford, Cheltenham, Gloucester, Bath und Bristol, Stonehenge und Salisbury sowie Windsor/London liegen fast kreisförmig um Highworth.
Die Highworth Warneford School ist eine Comprehensive School, wie ca. 90 % aller englischen Schulen, mit gut 900 Schülern/Innen. Wie das Carolinum zieht die Warneford School auf Grund des guten Rufes Schüler/Innen auch von außerhalb des Schuleinzugsbereiches an (aus der Stadt Swindon und aus der Grafschaft Oxfordshire). Die allgemeine Ausstattung ist gut. Es gibt eine große Cafeteria für die Mittagsmahlzeit, eine Bibliothek mit Bibliothekarin und mit Sitzgelegenheiten, die zum Arbeiten, Lesen und Verweilen einladen. Die technische Ausstattung ist überzeugend. Mehrere Computerräume werden von den unterschiedlichsten Fachgruppen genutzt. Die Computer stehen auch jedem Schüler/jeder Schülerin zur individuellen und privaten Nutzung zur Verfügung. Das Schulgelände ist riesig und umfasst neben mehreren Sportplätzen auch schuleigene Tennisplätze.
Das Angebot zur Teilnahme am Austausch richtet sich an Caroliner/Innen der 9.Jahrgangsstufe, die Latein als erste oder zweite Fremdsprache betreiben. (Für Schüler/Innen mit Französisch als zweiter Fremdsprache gibt es den Frankreichaustausch.) An der Warneford School sind die Schüler/Innen der 10. Jahrgangsstufe (entspricht altersmäßig unserer Jahrgangsstufe 9), die Deutsch als zweite Fremdsprache betreiben, zur Teilnahme am „German Exchange“ eingeladen.
Ein Problem: unterschiedliche Anmeldungszahlen
Das Problem, welches sich bei einem Englandaustausch in der Regel stellt, sind die unterschiedlichen Anmeldungszahlen auf englischer und deutscher Seite. So ergeht es uns auch an der Warneford School und dem Gymnasium Carolinum. Die Anmeldungszahlen sind am Carolinum in der Regel zweimal so hoch wie in Highworth. Die Anmeldung erfolgt normalerweise im Dezember; die Auswahl der Teilnehmer ist im Januar abgeschlossen.
Die Zusammenstellung der Partner/Innen ist ganz besonders wichtig: Die Originalanmeldungen – nach Fotokopie derselben – werden mit Beifügung einer Umsetzung der Anmeldungen in eine tabellarische Übersicht auf beiden Seiten ausgetauscht. Es folgen: einsame Sitzungen auf jeder Seite des Kanals zur Partnerzusammenstellung; erster Austausch einer möglichen Zusammenstellung per Fax; erste Telefonkonferenz, die zur Bestätigung der Ideal-Partner/Innen führt; nach weiteren Erwägungen zweite Telefonkonferenz; mitunter auch eine dritte, nur um die Partner/Innen möglichst gut und erfolgversprechend zusammenzustellen.
Welche Kriterien sind nun entscheidend für eine Teilnahme/Nichtteilnahme am Englandaustausch? Das wichtigste Kriterium sind gemeinsame Hobbys. Nicht ausschließendes, aber absolut wichtig zu wissendes Kriterium sind Allergien und chronische Krankheiten.
Auf beiden Seiten haben immer auch Schüler/Innen mit Allergien und/oder chronischen Krankheiten am Austausch teilgenommen. Selbst Diabetiker sind schon mitgefahren.
Die Vorbereitung des Austausches beginnt, wenn die endgültige Teilnehmerliste feststeht. Erste Briefe und E-Mail-Kontakte werden vertieft, damit die Partner sich vor dem ersten Aufeinandertreffen bereits kennen gelernt haben. Auf für alle Englandfahrer verbindlichen vorbereitenden Treffen geht es darüber hinaus um die Vertiefung landeskundlicher Besonderheiten, das englische Schulsystem sowie um Informationen über besondere Gepflogenheiten und Benimmregeln des Gastlandes. Vokabellisten zur „Überlebenshilfe“ (useful phrases) werden ebenso durchgesprochen wie das Anlegen eines Tagebuches und vieles andere mehr.
Kurz vor der Reise nach England findet ein Info- und Vorbereitungstreffen mit Eltern und den beteiligten Schüler/Innen statt, um die begleitenden Lehrpersonen vorzustellen, Organisatorisches zu klären, das Programm in England vorzustellen und letzte Formalitäten zu klären. Einige Dias runden die Veranstaltung ab.
In der Regel ist es dann im April soweit. Für zehn Tage können die Teilnehmer/Innen eintauchen in englischen Familien- und Schulalltag, Unterschiede wahrnehmen, ihre englischen Sprachkenntnisse in realen Situationen erproben. Das Ausflugsprogramm, das in zwei oder drei der folgenden Städte führt (z.B. Oxford, Bath, Bristol, Cirencester, Swindon, meistens auch London - je nach politischer Lage), setzt Höhepunkte.
Ende Mai/Anfang Juni findet der Gegenbesuch der Englischen Austauschpartner/Innen statt. Auch wir bemühen uns, unseren englischen Gästen ein interessantes und abwechslungsreiches Programm zu bieten. Dazu gehören natürlich auch Tagesausflüge, z.B. nach Cloppenburg und Bremen, nach Detmold und Hameln, nach Hamburg oder nach Köln.
JUHU, WOW, COOL, KRASS, GEIL ... so oder ähnlich waren unsere Gedanken als wir erfuhren, dass wir am Englandaustausch 2009 teilnehmen durften. Wir waren eine zusammengewürfelte Gruppe von 17 Leuten, obwohl sich über 50 beworben hatten. Schon nach wenigen Tagen hatten wir die E-Mail Adressen und Namen unserer Partner und konnten Kontakt aufnehmen. Schnell stellte sich heraus, dass auf Grund der Fragebögen die Chemie zwischen den zugeteilten Partnern mal wieder stimmte (großes Lob an Frau Pollert- Timm, Frau Koch und Mr. Thomas!). Es folgten jeweils wöchentlich Vorbereitungsstunden für den Austausch, um das Gastgeschenk zusammenzustellen und englische Benimmregeln zu lernen. Wir wanderten fotografierend durch Osnabrück um den Engländern einen Einblick in unser Leben zu geben
Der Abreisetermin stand fest und der Stress stieg und stieg. Nur 15 kg Gepäck
– wie soll man das als Frau schaffen? Am 30. April war es dann endlich so
weit. Morgens hatten wir schulfrei (vielen Dank an Frau Pollert- Timm). Nachmittags
trafen wir uns um 16 Uhr vor dem Bahnhof und fuhren mit dem Zug nach Bremen.
Von dort schleppten wir unser Gepäck in die S-Bahn und fuhren zum Flughafen,
um einzuchecken. Abflug mit der Fluggesellschaft Ryanair um 20:30 Uhr, Landung
in London Stansted wegen der Zeitverschiebung um 20:45 Uhr. Von dort wurden
wir von Mr. Thomas abgeholt und fuhren 2 Sunden mit zwei Bullis zur Highworth
Warneford School. Dann stieg die Nervosität.
Nachts um 23 Uhr - fremdes Land - fremde Sprache – unbekannte, neue Leute und
keinen Plan wo man die folgende Nacht verbringen wird. Die Abholung durch unsere
Gastfamilien verlief etwas steif, denn wir konnten den Dialekt und die schnelle
Aussprache nicht gut verstehen, weil wir bisher nur in der Schule Englisch gesprochen
hatten. Nach 5 bis 7- maligen Nachfragen haben auch wir endlich verstanden,
was sie uns sagen wollten. Erschöpft von der 8-stündigen Reise fielen wir in
unsere Betten und schliefen schnell ein.
Der Folgetag begann mit Schule. Wir fühlten uns wie Aliens, als wir mit unserer
normalen bunten Kleidung zwischen den hellblauen Schuluniformen standen. Deutschunterricht
an einer englischen Schule ist echt süß! Von den restlichen Schulstunden haben
wir leider nicht viel verstanden. Wir merkten aber, dass unser Hörverständnis
besser wurde und wir nur noch 3 bis 5 Mal nachfragen mussten. Schulschluss war
um 15:50 Uhr– ein viel zu langer Tag! Danach startete das Freizeitprogramm der
Engländer und wir schlossen uns an.
Den Samstag verbrachten wir in unseren Gastfamilien. Einige fuhren nach Stonehenge oder in die City oder nach Wales. Am Sonntag startete das Ausflugsprogramm. Wir fuhren mit dem Zug nach Bath (schade wenn beim Einsteigen der Schuh unter den Zug fällt =)). Der Tag in Bath war anstrengend mit vielen neuen Eindrücken.

German and English pupils in Bath. =)
Am Montag war schulfrei in England. Wir waren shoppen in Swindon. Leider fuhren die Busse nur sehr selten, deshalb sind wir 4 Meilen in die City gelaufen. Dort haben wir uns in einer Shoppingpause in die englischen Cookies verliebt. Die Rückfahrt erfolgte mit dem Bus - HALLELUJA! Der Linksverkehr war immer noch verwirrend. Wir hatten ein vollbepacktes Ausflugsprogramm. Wir waren noch in Oxford, wo wir die weltberühmte Universität durch den Studenten Thomas kennengelernt haben.

In front of the Oxford University
(von l. nach r.: Frau Pollert-Timm, Jessica
Birkholz, Sabine Arnold, Louisa Block, Steffen Pieper, Nicole Kress, Jana
Krüger, Carolin Igelmann, Stephanie Halbrügge, Jonas Schoo, Luca Bischoff,
Maximilian Hilkmann, Tom Daniek, Nikola Adams, Matthias Hörnschemeyer, Frau
Koch;
unten von l. nach r.: Lena Ewert,
Anna-Lena Stankewitz, Sophia Ungermann)
Außerdem waren wir in Cirencester, wo wir neben der größten Hecke der Welt noch das römischen Corinium (Museum) gesehen haben. Das Highlight der Ausflüge war natürlich London. Besonderen Dank an Mr. Thomas, der uns den ganzen Tag durch London geführt hat und uns ALLES gezeigt hat, was man in London gesehen haben muss (Londoner Underground, London Tower, Tower Bridge, Bootsfahrt auf der Themse, London Eye, Big Ben, Westminster Abbey, Houses of Parliaments, Trafalgar Square, Buckingham Palace, Downing Street, Harrods (leider Eintrittsverbot für Schüler und Studenten). Ein unvergesslicher und sonniger Tag in London ging zu Ende.

Mr. Thomas vor dem Big Ben

In London (nach der Shoppingtour)
Mittlerweile konnten wir fast alles verstehen und mussten, wenn überhaupt,
nur noch einmal nachfragen. Wir wuchsen zu einer großen „Familie“ zusammen.
Wir verstanden uns super und wir wollten nicht mehr zurück nach Deutschland
– wir wollten nur wieder deutsches Essen! Der Tag unserer Abreise rückte näher
und näher.
Der Abschied am Samstagnachmittag war schrecklich. Das einzige, das fast alle etwas aufmunterte war es zu wissen, dass wir uns in etwas mehr als 2 Wochen wiedersehen würden. Wir fuhren wieder mit zwei Bullis zum Flughafen London Stansted, flogen dann von dort abends nach Bremen, stiegen dort erschöpft in den gecharterten Bus und fuhren zurück nach Osnabrück. Ankunftszeit in Osnabrück : 01:00 Uhr. Dort wurden wir von unseren Eltern im Empfang genommen und fuhren nach Hause.
Endlich war die Wartezeit vorbei! Die Engländer kommen zu uns. Wir holten
unsere Partner am 28.5 vom Hauptbahnhof ab. Große Wiedersehensfeier um 12:44
Uhr auf Gleis 5. Diesmal waren die Engländer nervös, weil sie ihre Gastfamilie
kennen lernen und nicht wissen, wo sie die folgende Nacht verbringen werden!
Sprachprobleme gibt es unsererseits nicht mehr, jetzt sind die Engländer
dran. Nachdem wir unsere Austauschpartner begrüßt hatten fuhren wir nach
Hause, den Nachmittag hatten wir frei. Am nächsten Tag wurden wir erst in
der Cafeteria von Herr Brandebusemeyer bei einem Frühstück begrüßt, danach
wurden alle (mit den Holländern, die zeitgleich da waren) im Rathaus empfangen.
Das Wochenende stand der Familie zur Verfügung und es wurden verschiedene
Ausflüge unternommen. Die Engländer hatten in Deutschland ein genauso strammes
Besichtigungsprogramm wie wir in England. Die Ausflüge, die wir mit den Engländern
unternahmen gingen in den Zoo Osnabrück, nach Bremen in das Science Center
und nach Hameln und Detmold. Während unserer Schulzeit fuhren sie dann noch
in das Museum Industriekultur und nach Münster. Die Freizeit wurde überwiegend
mit der Gruppe verbracht. Wir waren zum Beispiel Minigolf spielen, im Schlossgarten
picknicken oder in der Stadt shoppen. Den aller letzten gemeinsamen Abend
verbrachten alle zusammen in der Stadt. Um 04:00 Uhr trafen wir uns alle
mit den Gastfamilien vor der Schule, um die Engländer zu verabschieden. Es
flossen viele Tränen, doch viele sind sich jetzt schon sicher, dass sie sich
schon bald wiedersehen werden!
Alles in allem war dieser Austausch ein unvergessliches Erlebnis und ein
tolles Beispiel dafür, wie aus unbekannten Leuten neue Freundschaften entstehen.
Thank you for this wonderful time!
Lena Ewert & Jessica Birkholz
(Sie können diesen Bericht auch als PDF-Datei herunterladen.)
Nachdem wir erfahren hatten, wer das große Glück hatte, am Austausch teilnehmen zu dürfen, begannen die Vorbereitungen. Die erste Kontaktaufnahme erfolgte über E-Mails oder Briefe. Die ersten eigenen Fotos, von der Familie, von zu Hause und von Freunden fanden ihren Weg zu den Partnern. Viele stellten schon nach wenigen „Gesprächen“ fest, dass die Zuordnung durch Frau Pollert-Timm auf deutscher und Mr Thomas auf englischer Seite mal wieder gelungen war. Für uns elf Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufe 9 begann am 1. Mai ein Abenteuer.
Auch die verspätete Ankunft an der
Highworth Warneford School in England tat unserer Freude
keinen Abbruch. Zum erstem Mal trafen wir unsere Austauschpartner.
Meine Partnerin fiel mir um den Hals, und ein großer Stein
fiel mir vom Herzen; gleichzeitig war ich vollkommen überfordert,
aber glücklich. Ich habe mich von Beginn an sehr wohl gefühlt
und war froh, dass ich schon schnell ein sehr offenes Verhältnis
zu meiner Gastfamilie entwickeln konnte. In der ersten
Nacht hatte ich ein seltsames Gefühl: Alles war so anders.
Schließlich schlief ich mit dem Gedanken ein: Das wird
meine Zeit und meine Chance, etwas ganz Besonderes zu
erleben.
Der erste
Tag in der Schule brachte nicht nur die ersten Rücksprachen
mit den anderen Teilnehmern mit sich, die alle ähnlich
gute Erfahrungen gemacht hatten wie ich, sondern auch zu
viele neue Gesichter, denen man vorgestellt wurde, die man
aber nicht unterscheiden konnte - nicht zuletzt wegen der
Schuluniformen. Ich mochte die Schule. Sie war groß und
genau so, wie man sie aus englischen Serien kennt: schmale
Türen, beklebte Schließfach-schränke, Plastikbänke, die
am Tisch befestigt waren, und eine riesige Kantine.
Auch der Unterricht war
anders. In jedem Raum standen mindestens 20 Computer, und
die Tapete war vor lauter Postern nicht mehr zu sehen.
Die Lehrer hatten in der Regel ein sehr offenes und direktes
Verhältnis zu den Schülern, manchmal fast schon freundschaftlich.
Der Unterricht war lockerer als in deutschen Schulen, es
wurde mehr geredet, aber weniger kontrolliert, z.B. die
Hausaufgaben.
Das Wochenende verbrachten wir in unseren Familien. Am Sonntag hatten wir unseren ersten Tagesausflug nach Bath.

Happy teachers: Mr Alan Thomas and Mrs Gabriele Koch (on the train to Bath)

Happy pupils: Lennart Winkeler and Jan-Philipp Voghtherr (on the train to Bath)
Neben einem Museumsbesuch in den Roman Baths lernten wir das englische Wetter kennen: Regen. Überrascht hat es niemanden, schade war es trotzdem, weil so der einzige gemeinsame Ausflug mit den Engländern förmlich ins Wasser fiel.
Dennoch hatten wir den „Dreh raus“, die Zeit immer möglichst gut zu nutzen. Das lag zum großen Teil an der Einstellung der Engländer. Schon am ersten Tag habe ich es bewundert, mit welcher Leichtigkeit sie den Tag nehmen, ganz nach dem Motto : Ein langweiliger Tag ist ein verlorener Tag. Das heißt auch, dass wir keinen Abend haben vergehen lassen, ohne in der ganzen Gruppe etwas zu unternehmen. Von Pizza essen über Schwimmen gehen bis zu Partys bei jemandem zu Hause was alles dabei. Wir hatten immer sehr viel Spaß.
London. Ein Straßenschild kündigte es uns an. Alle freuten sich auf diesen Tag ganz besonders. Nicht nur die Tatsache, dass es London war, das wir besuch-ten, sondern auch die Menschen, die Sehenswürdigkeiten und die wunder- schönen Parkanlagen machten diesen Tag so eindrucksvoll. Wir waren alle sehr froh und dankbar, dass Mr Thomas sich bereit erklärte hatte,uns zu begleiten und durch London zu führen. Und wenn jemand außer ihm versucht, auf die Schnelle das Londoner Untergrundbahnsystem zu verstehen, den muss ich enttäuschen : Es ist hoffnungslos kompliziert..... ;-) Wir gingen durch kleine Gassen, kreuzten viel befahrene Straßen, drängten uns durch eine Gruppe Touristen und fanden Tower Bridge.

The happy group in London
Die großen Türme wirkten gigantisch, und bis auf „Wow“
oder „Boah“ brachte keiner von uns ein Wort heraus. Wir
gingen über die wohl bekannteste Brücke der Welt, machten
Fotos und Videos, alberten etwas herum, ließen uns den
frischen Wind um die Nase wehen, blinzelten in die Sonne
und breiteten die Arme über der Themse aus... Jeder wusste
jetzt, dass dieser Austausch mit das Beste sein musste,
was uns passieren konnte.
Während einer Sightseeing-Tour
per Schiff auf der Themse bekamen wir in kurzer Zeit
einen Teil von London zu sehen. Es war der Wahnsinn.
Die Tour endete am Fuße des Big Ben. Von dort ging es
zu Fuß einmal quer durch die Stadt. Gegen Ende des Tages
genossen wir noch einmal die Londoner Luft in einem Park
nahe des Buckingham Palace, wo unser Ausflug endete.
Dieser Tag war ein großes Erlebnis für uns und wird sicherlich
noch seine Zeit brauchen, bis wir all die aufgesaugten
Eindrücke richtig verarbeitet haben.
Die folgenden Tage genossen wir mit Halbtagesausflügen,
während die Engländer in der Schule waren. Wir besuchten
Oxford und Cirencester; in beiden Städten hatten wir
etwas Zeit zum Shoppen und Bummeln, was uns besonders
in Oxford gut gefiel. Dort hatten wir auch das Glück,
über Mrs Jellis, einer Lehrerin an der Highworth Warneford
School, deren Sohn Thomas am Hertford College studiert,
durch das Hertford College mit der berühmten „Bridge
of Sighs“ geführt zu werden. Damit konnten wir zunächst
nicht so viel anfangen, jedoch weckte der Gedanke, dass
sich auch unsere Zukunft gegebenenfalls in einer solchen
Umgebung abspielen könnte, das Interesse. Insgesamt erlebten
wir sehr spannende Stunden in englischen Großstädten.
Die Highlights waren für viele auch die Partys am Abend.
Unter anderem nahmen wir den Geburtstag von Carina zum
Anlass, um uns in der Gemeinschaft, die sich von Beginn
an hervorragend verstanden hat, mit Fußballspiel, Pizza,
Musik und Tanz eine tolle Zeit zu machen.
Damit neigte sich unsere Zeit in England dem Ende zu.
Jeder von uns hatte sich in seinen Partner oder seine
Partnerin in gewisser Weise verliebt und keiner wollte
England verlassen. Für acht von uns bestand die Freude
auf das Wiedersehen und eine ähnlich tolle Zeit in 18
Tagen. Für die Paying Guests (Schüler, die den Austausch
leider nur nach England mitmachen konnten) hieß es vorerst
Abschied nehmen. Es flossen viele Tränen, und alle trauerten
am meisten um die Gruppe, die sich gebildet hatte, und
den damit verbundenen Spaß, den wir hatten. So würden
wir nie wieder zusammen kommen.
Während der Rückreise machte sich jeder seine eigenen Gedanken. Bei jedem hatte der Austausch etwas verändert, und jeder hat sein eigenes Bild von Land und Leuten gewonnen. Ich persönlich habe durch die Zeit in England und durch das Zusammensein mit den Schülern dort viel gelernt. Meine Austauschpartnerin sagte einmal zu mir:“ Das Problem ist nicht das Problem, das Problem ist deine Einstellung zum Problem.“ Das ist es, was ich an ihr so sehr bewundere. Ich mag es, wie sie auf die Menschen zugeht und mit welchem Selbstvertrauen und mit welcher Überzeugung sie etwas tut. Aufgefallen ist mir auch, dass man in England auf eine viel größere Bereitschaft stößt, jemanden zu akzeptieren. Den Engländern fällt es leichter, über Fehler hinwegzusehen, und sie finden an allem, was man tut oder sagt, etwas Positives. Für mich hat sich viel verändert und ich bin sehr froh, das ich diese Erfahrung machen durfte, und ich bin den Organisatoren, den Teilnehmenden und natürlich auch den Engländern unendlich dankbar für die bisher schönste Zeit meines Lebens. Dankeschön!
Für den Gegenbesuch der Engländer in Osnabrück ab dem 28. Mai haben wir versucht, ein ähnliches Programm mit vielen Partys und gemeinsamen Aktivitäten zusammenzustellen. Leider konnten wir ihnen als Ausflugsziele keine Stadt wie London oder Oxford bieten. Zu unserem Programm gehörten Bremen, Münster, Hameln und Bückeburg.
Die Begrüßung am Flughafen Münster/Osnabrück verbreitete große Freude, und das Wiedersehen ließ die Eindrücke aus England wieder erwachen. Wir sahen weitere zehn Tage vor uns, die wir niemals vergessen werden.
Der erste Tag war auch für uns ein besonderer. Endlich konnten wir in der Schule die Engländer vorstellen, von denen wir in den drei Wochen zwischen den Besuchen so viel zu erzählen hatten. Mit in unseren Unterricht kamen die Austauschschüler nur selten, da sie unseren Schultag für Städtebesichtigun-gen nutzten. Die Tagesausflüge nach Bremen, Hameln und Bückeburg durften wir wieder mit der ganzen Gruppe machen, was es uns Deutschen leichter machte, möglichst viel Zeit mit den Partnern zu verbringen; schließlich gab es für uns nicht so viel Neues hier in Deutschland.
Unser Ziel war es, die Engländer mit ähnlich tollen Eindrücken und Erlebnissen wieder nach Hause fahren zu lassen, wie wir sie dort gehabt hatten. Dafür haben wir uns besonders bei Partys ins Zeug gelegt. Eine gute Organisation und viel Unterstützung der Eltern machten es möglich, dass wir die zehn Tage in England nahezu wiederholen konnten. Durch diese Zeit sind wir noch enger mit unseren Partnern verwachsen, und es haben sich viele sehr dicke Freundschaften entwickelt, auch partnerübergreifend.
Wir schafften es bis zum letzten Abend, nicht an die
baldige Trennung zu denken und die Zeit - so gut es ging
- zu nutzen und zu genießen. Dennoch stand uns allen
am nächsten Morgen die Trauer ins Gesicht geschrieben.
Keine / Keiner wollte es wahr haben, dass es das Ende
der gemeinsamen Zeit war. Hinzu kam die Trauer über den
Abschied vom jeweiligen Partner. Die zusätzlich eingeplante
Zeit für die Verabschiedung am Hauptbahnhof erschien
uns allen viel zu kurz. Wir umarmten uns mehrmals, und
die Tränen ließen sich nicht aufhalten. Fast schon verzweifelt
standen wir neben dem Zug und hofften, dass ein Wunder
geschehen möge, um die Zeit anzuhalten.
Schon lange vor der Verabschiedung stand für alle fest,
dass auf ein Wiedersehen in den Sommerferien nicht zu
verzichten ist. Jetzt kann ich glücklicherweise schon
sicher sagen, dass es geklappt hat und einige Engländer
uns am Ende des Sommer wieder besuchen werden.
Ich bin
sehr glücklich, das wir es geschafft haben, den Kontakt
zu halten und uns im Sommer zu treffen, und auch das
wird nicht das letzte Mal sein...
An dieser Stelle möchte ich gerne betonen, wie dankbar
ich bin, dass alles so gut funktioniert hat. Ich möchte
nichts gegen diese Erfahrung eintauschen und ich wünsche
noch sehr vielen anderen Schülern und Schülerinnen, dass
sie ebenfalls das Glück haben, solche Erfahrungen zu
machen.
Ein besonderer Dank gilt den begleitenden Lehrern/innen Frau Pollert-Timm, Frau Koch und Mr Thomas, die sich Jahr für Jahr dafür einsetzen, dass eine Gruppe wilder Jugendlicher die Chance auf solche Freundschaften bekommt. Es ist ihnen auch dieses Mal wieder gelungen... Danke!
Nele Avermann, jetzt Klasse 10 L2
(Sie können diesen Bericht auch als PDF-Datei herunterladen.)
Letzte Änderung: 5.4.2010