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Gymnasium Carolinum
Eine kurze Chronik des Gymnasiums Carolinum finden Sie hier.
Das Carolinum hat seit 1995 ein Schulkonzept.
Hier folgt der vollständige Text. Sie können das Schulkonzept
als PDF-Datei herunterladen.
1.
Das Gymnasium Carolinum ist ein öffentliches Gymnasium im Lande Niedersachsen.
Es gilt also das Niedersächsische Schulgesetz. In dessen §2,
der den Bildungsauftrag der Schule beschreibt, heißt es in Abs.
1: "Die Schule soll ... die Persönlichkeit der Schüler
auf der Grundlage des Christentums, des europäischen Humanismus und
der Ideen der liberalen, demokratischen und sozialen Freiheitsbewegungen
weiterentwickeln." Dieser Satz ist offensichtlich eine parlamentarische
Kompromissformel. Erst der folgende Satz des Schulgesetzes gibt eine deutlichere
Richtung an: "Erziehung und Unterricht müssen dem Grundgesetz
für die Bundesrepublik Deutschland und der Niedersächsischen
Verfassung entsprechen; die Schule hat die Wertvorstellungen zu vermitteln,
die diesen Verfassungen zugrunde liegen." Durch diese Verfassungsbindung,
vor allem aber durch die Bindung an die diesen Verfassungen zugrundeliegenden
Wertvorstellungen, gewinnt der Bildungsauftrag der Schule Kontur und Gesicht.
Mit dieser Formulierung wird aber auch den mannigfachen Ausprägungen
gesellschaftlicher Tendenzen und Wertvorstellungen großer Raum gelassen.
2.
Im Zuge des Umbaues des Osnabrücker Schulwesens schlossen Anfang
der siebziger Jahre die Stadt Osnabrück als Schulträger des
Carolinums, das Bistum Osnabrück und der Ursulinenorden, damals noch
Schulträger der Ursulaschule, einen Vertrag, mit dem das Carolinum
in das Schulzentrum Dom eingegliedert und mit dem die Kooperation aller
Schulen in diesem Schulzentrum festgeschrieben wurde. Dies entsprach dem
Wunsch von Schulleiter, Kollegium und Elternschaft des Carolinums. In
diesem Schulvertrag ist der § 3 Abs. 2 so formuliert: "Stadt,
Bistum und Orden gehen davon aus, dass im Sinne des Zusatzprotokolls zu
Ziffer 6 zur Vereinbarung zum Konkordat Geist und Lehrangebot des Carolinums
- wie vom Land Niedersachsen zugesichert - auch künftig eine Kooperation
mit den kirchlichen Schulen ermöglichen." (Schulvertrag vom
18.06.1975) Dieser Vertrag schafft schärfere Konturen für ein
Schulkonzept Carolinum. Der Schulträger, der Schulleiter, das Kollegium
und die Eltern, die diesem Vertrag grundsätzlich verpflichtet sind
und ihn weiterhin wünschen, binden die Schule damit an einen christlichen
Wertemaßstab, an dem das gesamte Schulleben zu messen ist.
3.
Das christliche Selbstverständnis beruht auf der durch Christus gegebenen
Freiheit, die den Menschen in die Lage versetzt, seine ihm gegebenen Anlagen
ohne Angst zu entwickeln. "Christliche Anthropologie geht" aber
auch "davon aus, dass Christsein nicht eine zusätzliche Qualität
zum Menschsein beinhaltet, sondern die im Menschen grundgelegten Schöpfungsanlagen
entfalten möchte." (Schulentwicklungsplan Bistum Osnabrück)
In diesen Formulierungen wird das christliche Verständnis von der
Bedingtheit des Menschen (Geschöpf Gottes) und seiner unverlierbaren
Freiheit gleichzeitig sichtbar.
Mit jedem Menschen wird ein neuer Anfang gesetzt, mit jeder Geburt beginnt ein Leben, das in Freiheit gestaltet werden soll; dessen Freiheit nicht zuletzt darin begründet ist, dass die Bedingungen seiner Existenz über das, was Menschen verfügbar ist, hinausreichen.
Christliche Bildung und Erziehung dürfen also junge Menschen nicht dem Diktat willkürlich gesetzter eigener Maßstäbe unterwerfen; sie ist vielmehr "laietsijg sevmg" (Hebammendienst / Geburtshilfe), wie Platon den Sokrates sagen lässt; sie "entbindet" die Kräfte des jungen Menschen, die nötig sind, in Freiheit das zu werden, was er sein kann und sein soll. Bildung und Erziehung, die sich den Wertmaßstäben einer christlichen Anthropologie verpflichtet wissen, sind daher nie "manipulierend ... (und einseitig) leistungs- oder konsumorientiert. Sie können sich nur fördernd, kreativ-entfaltend, konstruktiv-kritisch und verantwortlich zeigen." (Schulentwicklungsplan Bistum Osnabrück) Dies verpflichtet besonders Lehrerinnen und Lehrer, die Personwürde ihrer Schülerinnen und Schüler zu achten. Selbstverständlich ist die Entwicklung intellektueller Fähigkeiten unabdingbarer Bestandteil gymnasialer Bildung. Gleichrangig aber muss sich solche Pädagogik um Gefühlsleben und Kreativität kümmern, musische Anlagen und Willenskräfte stärken und nicht zuletzt das Gewissen bilden, damit der junge Mensch lernt, später als Erwachsener in der Gesellschaft ethisch verantwortet zu handeln.
4.
Im christlichen Menschenbild als Grundlage aller Bildung und Erziehung
zeigen sich Geist und Tradition des Carolinums. Dessen waren sich Schulleiter,
Kollegium und Elternschaft bewusst, als sie 1975 den bereits genannten
Schulvertrag mitgestalteten und ihm zustimmten. Die Tradition christlicher
Erziehung ist durch nun fast 1200 Jahre in der Geschichte des Carolinums
kontinuierlich bewahrt worden, auch in Zeiten der Diskontinuität
in anderen Bereichen des Schullebens. Die Verpflichtung auf die lebendige
Einbeziehung von Kunst und Wissenschaft in die Arbeit unserer Schule in
Verbindung mit der christlichen Tradition ist formuliert in dem Bild,
dass auf dem Dach des Carolinums Platz sein müsse für beide,
für die Eule der Athene (Minerva) und für die Taube des Heiligen
Geistes, die sich gemeinsam erfreuen an der Leier des Orpheus.
5.
Sich für das christliche Menschenbild als Maßstab von Bildung
und Erziehung zu entscheiden, ist mehr, als von einer öffentlichen
Schule gemeinhin verlangt wird. Sich für eine solche Grundlage zu
entscheiden, ist aber notwendig für das Carolinum, wenn es sich nicht
von seiner eigenen Geschichte abschneiden will, sondern bleiben will,
was es zu sein beansprucht: ein staatliches Gymnasium mit katholischer
Prägung, traditionell der Oekumene verpflichtet.
Dies gilt in besonderer Weise für das Kollegium: Es sollte sich im
Diskurs über die inhaltliche Ausgestaltung christlichen Schule-Haltens
immer wieder verständigen.
Es gilt aber auch für Eltern, für Schülerinnen und Schüler,
die sich in Osnabrück durchaus auch für andere gymnasiale Bildungs-
und Erziehungskonzepte entscheiden können. Dass diese Grundlage eines
Schulkonzeptes nicht in muffige Engstirnigkeit führt, sondern zu
großzügiger Toleranz ermuntert, liegt in der Natur dieser Überlegungen
selbst. Diese Toleranz begründet und pflegt eine Kultur der Auseinandersetzung,
in der jeder - Schüler, Eltern und Lehrer - seine Einflussmöglichkeiten
unter Anerkennung der unterschiedlichen Kompetenzbereiche geltend machen
soll.
Nach einer Zeit relativer Ruhe erleben wir seit Ende der 60er Jahre und verstärkt in unseren Tagen geradezu eine Lawine gesellschaftlicher und politischer Umbrüche, verbunden mit einem Wertewandel, der die Schule vor große Herausforderungen stellt, ihr aber auch die Chancen positiver Einflussnahme eröffnet:
Kennzeichen heutiger Gesellschaft und ihre Auswirkungen auf unsere Schule:
"Was moderne Menschen so leicht in die totalitären Bewegungen
jagt und sie so gut vorbereitet für die totalitäre Herrschaft,
ist die allenthalben zunehmende Verlassenheit. Es ist, als breche alles,
was Menschen miteinander verbindet, in der Krise zusammen, so dass jeder
von jedem verlassen und auf nichts mehr Verlass ist." (Hannah
Arendt)
Gerade unsere Schule, die sich in ihrem Bildungsauftrag
einem christlichen Menschenbild verpflichtet weiß, muss die jeweiligen gesellschaftlichen
Herausforderungen erkennen, sie auf ihre Bedeutung für Kinder und
Jugendliche befragen und versuchen, die Inhalte von Unterricht und Erziehung,
aber auch die Vermittlungsformen so darauf abzustimmen, dass sie Schülerinnen
und Schüler aus ihrem gesellschaftlichen Umfeld
abholt und mit ihnen die notwendigen Orientierungen
erarbeitet.
Ein Schulkonzept kann und soll keine praktischen Einzelmaßnahmen formulieren. Vielmehr zeigt es größere Bereiche des Schullebens und allgemeine Überlegungen, die einen Blick auf das Gesamtbild Carolinum möglich machen, deren Konkretion aber den Entscheidungen der Gesamtkonferenz und der Fachkonferenzen aufgegeben bleibt. Andererseits sollen die folgenden Überlegungen diesen Gremien immer wieder Anstöße geben, das Schulkonzept für die Praxis fruchtbar zu machen; hierin besonders zeigen sich Verbindlichkeit des Schulkonzeptes einerseits und seine Prozesshaftigkeit andererseits.
1.
Die Grundauffassung, die das Carolinum von seiner Aufgabe hat, wird besonders
in dem sichtbar, was es tatsächlich im Unterricht der einzelnen Fächer
leistet oder doch zu leisten sich tatkräftig und wirksam bemüht.
Das Gesamtkonzept der Schule realisiert sich zunächst einmal in der
Wirklichkeit des Fachunterrichtes.
Diese Zielsetzung verlangt einen geistig anspruchsvollen Unterricht, der
auch vom Schüler das Beste fordert, das er zu geben vermag. "Zugleich
muss der Schüler aber zu solchem Bemühen gewonnen sein - es
muss ein zutiefst freudiges Bemühen sein, eine Erfüllung aus
Eros, nicht eine Zwangsarbeit. Das Lehren soll so sein, dass das Dargebotene
als wertvolles Geschenk und nicht als saure Pflicht empfunden wird."
(A. Einstein: Erziehung zu selbständigem Denken) "Den Schüler
zu Interesse und Mitarbeit zu gewinnen, ist nicht der Zuckerguss auf dem
pädagogischen Kuchen - es ist die Hefe, ohne die der Teig nicht aufgehen
kann." (A. J. Wittenberg: Bildung und Mathematik)
Wer von der Geschöpflichkeit des Menschen weiß, wer sich darüber
im klaren ist, dass nicht nur Köpfe, sondern Schülerinnen und
Schüler täglich im Carolinum aus und ein gehen, der muss die
Ganzheitlichkeit des Menschen in den Blick nehmen, der muss aber auch
einen anderen Begriff von Unterricht gewinnen, als wir ihn gemeinhin haben.
Unterricht muss dann mehr sein als das, was Stundentafeln und Rahmenrichtlinien
vorschreiben: Diese wenden sich im wesentlichen an den intellektuellen
Bereich. Wenn Schule aber mitverantwortlich ist für die Erziehung
des ganzen Menschen, nicht nur für seine wissenschaftlichen, sondern
auch für seine kreativen, meditativen und ethischen Möglichkeiten,
wenn Schule junge Menschen in Freiheit zu dem führt, was sie sein
können und sein sollen, muss im Unterricht der ganze Mensch vorkommen.
Dann muss aber auch anderes Unterricht genannt werden dürfen, was
nicht in den Stundentafeln steht: Exkursionen, Freizeiten geistlicher
und musischer Art, Klassenfahrten, Arbeitsgemeinschaften, Gottesdienste.
Konsequenterweise ist es dann auch Aufgabe des gesamten Kollegiums, sich
um diese Schulveranstaltungen zu kümmern, sie mitzugestalten und
für sie zu werben; solche Veranstaltungen müssen gemeinsam konzipiert
und von allen beschlossen werden. Diese neue Sicht von Unterricht erfordert
Mut zum Umdenken und eine breite, ständige und offene Diskussion
darüber.
2.
Eine christliche Schule fordert eine bestimmte Art des Umgangs miteinander.
Dies bedeutet insbesondere, dass eine Grundhaltung der Wertschätzung
und Achtung die Beziehungen prägen sollte und die Lehrer bereit sein
müssen, das pädagogische Beziehungsangebot auch dort aufrecht
zu erhalten, wo Jugendliche in ihrem Verhalten vom Erwarteten abweichen.
Insgesamt ist eine Kultur der Auseinandersetzung anzustreben, die unterschiedliche
Sichtweisen, Meinungsverschiedenheiten und Interessengegensätze als
normal empfindet und ihre Regulierung als pädagogische und demokratische
Daueraufgabe annimmt. Die Erfahrung von Einflussmöglichkeiten ist
vor allem für Schüler, aber auch für Eltern unerlässlich,
um eine Motivation für die Mitarbeit am Schulgeschehen entwickeln
und aufrechterhalten zu können.
In unserer Schule werden Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlicher Herkunft unterrichtet. Wir müssen dies als Chance und Aufgabe begreifen, kulturelle Verschiedenheiten zu sehen und anzunehmen. Wir müssen eine Streitkultur entwickeln, die gewaltfreie Konfliktlösungen möglich macht; dabei spielt die konsequente Ablehnung von Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung eine wichtige Rolle.
3.
Erziehung ist immer Stärkung von Selbständigkeit und von Selbstverantwortung.
Dieses Ziel muss im Schulleben ständig gefördert und sichtbar
gemacht werden. Der Wille der Schüler zur Mitwirkung an der Gestaltung
des Schullebens darf daher von den Lehrern nicht als lästige Einmischung
in ihre Kompetenzen verstanden werden. Ganz im Gegenteil: Die Schüler
müssen je nach ihrem zunehmenden Alter behutsam, aber konsequent
und bewusst ermutigt werden, dass sie mit allem Freimut ihre Ideen zur
Mitgestaltung der Schule einbringen, dass sie sich aber auch des Stellenwertes
dieser Ideen im Gesamtgefüge der Schule bewußt werden.
4.
In den Zusammenhang des Umgangs miteinander gehört auch eine vertiefte
oekumenische Arbeit. Was nach dem zweiten Weltkrieg und nach den Erfahrungen
gemeinsamer Behinderung der religiösen Erziehung durch die Naziherrschaft
in Ansätzen ermöglicht wurde, was dann in den fünfziger
und sechziger Jahren kontinuierlich ausgebaut wurde, was schließlich
besonders in den siebziger und achtziger Jahren zu einem breiten Strom
wurde, das muss gepflegt und weiterentwickelt werden: ein oekumenisches
Zusammenleben, das sich in vielfältiger Weise im Schulleben praktisch
darstellt. Besonders durch die vielen und in ihrer Form immer weiterentwickelten
oekumenischen Schulgottesdienste, das gemeinsame Agapemahl und die Morgengebete,
aber auch durch die gemeinsame Fachkonferenz Religion, nicht zuletzt durch
das oekumenische Miteinander der Schulpfarrer beider Konfessionen hat
sich am Carolinum vielfältiges oekumenisches Leben entwickelt. Die
Konfessionen leben hier bereits weitgehend in der "Einheit als versöhnter
Verschiedenheit" (Lima-Papier) zusammen. Diese Entwicklung ist nicht
abgeschlossen. Vielmehr soll gerade unsere Schule, die hierin freier ist
als eine Gemeinde, "im Experimentierfeld" Oekumene weiterentwickeln
im Geiste Jesu.
5.
Der Wandel der Funktion und der Gestalt von Familie macht es notwendig,
dass unsere Schule andere und mehr Hilfen zur Sozialisation gibt, als
wir das bisher gewohnt sind. Weil vielen Kindern geschwisterliche Erfahrungen
nicht mehr möglich sind, ist Sozialerziehung notwendig, besonders
die Einübung von partnerschaftlichen Umgangsformen, aber auch das
Aufbrechen von Geschlechtsklischees und die Hinführung zu Bindungsfähigkeit.
6.
Schule, die den Schüler in seiner Ganzheitlichkeit im Auge hat, darf
sich nicht verzwecken lassen für den Erwerb von Qualifikationen.
Die am Carolinum angestrebte Bildung ist vielmehr das Ergebnis eines Prozesses
von qualifizierter Begegnung mit Inhalten und Methoden und qualifizierter
Betreuung der Schülerinnen und Schüler. Besonders eine christliche
Schule wie unsere sollte den Impuls zur Verantwortung und Verantwortbarkeit
vorleben, indem Förderung und Entfaltung im Vordergrund stehen, Wissenszuwachs
als ständiger Prozess gesehen wird. Dieser Prozess nimmt nur dann
seinen richtigen Weg, wenn nicht Anhäufung von Wissen gemeint ist,
sondern bewusst vollzogene Verarbeitung. Dabei spielt das Gespräch,
das der Gedankenentwicklung ausreichend Raum gibt, eine wichtige Rolle.
Die Zusammenhänge unseres Lebens sind zu komplex, als dass wir sie
ausschließlich bestimmten Fächern zuordnen können. Deswegen
sollen in unserer Schule die Schulfächer aufeinander bezogen und
miteinander vernetzt werden. Den Schülern dürfen in den verschiedenen
Fächern nicht unverbunden nebeneinander gestellte, gegensätzliche
Wert- und Anschauungssysteme begegnen, die zur Haltung der Beliebigkeit
oder zu hilfloser Orientierungslosigkeit verleiten. Das erfordert in unserem
Kollegium ein fächerübergreifendes kollegiales Gespräch
u. a. bei Gesamtkonferenzen, Klassen- und Fachkonferenzen und bei Dienstbesprechungen
der Fachobleute, in dem gefragt und beantwortet wird, welche Fächer
mit welchen Inhalten in welcher Jahrgangsstufe am ehesten den wissenvermittelnden
und erzieherischen Auftrag verbinden.
In der Umsetzung der Rahmenrichtlinien auf den Schullehrplan muss der
Akzent von der stetig weitergehenden Spezialisierung verlagert werden
auf die Verknüpfung der Fächer, deren Inhalte aufeinander bezogen
sind.
Auch Projekte schaffen fächerübergreifende Orientierungserfahrungen,
die der Selbsttätigkeit und Eigenverantwortung der Schülerinnen
und Schüler besondere Entfaltungsmöglichkeiten bieten. Ein solcher
Unterricht kann Schülern dazu helfen, sich in einer unübersichtlich
gewordenen Welt zu orientieren und verantwortlich zu leben.
7.
Die Lebenswelt unserer Schülerinnen und Schüler ist in den letzten
zwanzig Jahren einem starken Wandel unterworfen: Sie ist eine Welt sehr
starker Individualisierung geworden, sehr starker Emotionalisierung, sehr
starker Visualisierung. Unsere Schule muss sich dieser Lebenswelt öffnen
und Themen und Fragestellungen daraus aufgreifen; sie muss aber zugleich
Gegenakzente setzen, die über methodisches und systematisches Arbeiten
hinaus im Unterricht Arbeitsformen entwickeln, die Raum für Stille,
Selbstwahrnehmung und Selbstausdruck schaffen. Dies erfordert von Lehrerinnen
und Lehrern sensible Abstimmung mit der Situation der jeweiligen Lerngruppe
und pädagogische und persönliche Flexibilität.
8.
Es ist bereits deutlich geworden, dass Allgemeinbildung, dass Studierfähigkeit
sich nicht auf den Bereich des Wissenserwerbs allein beschränken
lassen. Wenn wir Schülerinnen und Schüler erziehen wollen, die
entscheidungsfähig sind, dann stellt sich unausweichlich die Frage
nach den Maßstäben, nach denen entschieden wird, also nach
der Ethik. Soll diese Frage nicht in einen moralistisch fixierten Kodex
münden, müssen wir auf die Sinnsuche der Jugendlichen, wo immer
sie sich artikuliert, mit der Bereitschaft zum Gespräch eingehen.
Hier handelt es sich um eine Frage, die in besonderer Weise - aber nicht
nur - die Religionslehrer angeht. Wenn es um den persönlichen Weg
einer Schülerin, eines Schülers geht, müssen sich auch
alle anderen Lehrer dieser Frage und Aufgabe stellen. Eine Schule, die
eine christliche Schule sein will, muss immer wieder versuchen, Bedingungen
und Voraussetzungen zu schaffen, die es Schülern möglich machen,
die Sinnfrage zu stellen und Antworten für die eigene Existenz zu
finden.
Lehrer, Eltern und Schüler müssen sich ihres Standortes immer
neu vergewissern. Deswegen hat unser Schulkonzept den bereits genannten
Prozesscharakter:
Im Diskurs aller an der Schule Beteiligten muss geklärt
werden,
welche Konsequenzen sich aus diesem Konzept für die alltägliche
schulische Praxis ergeben;
wann das Konzept selbst auf seine Aktualität überprüft
werden soll.
Diese Aufgabe bleibt besonders der Gesamtkonferenz aufgegeben; sie ist
aber auch Gegenstand der Überlegung der anderen für unsere Schule
verantwortlichen Gremien.
Im Dezember 1993 habe ich dem Kollegium des Gymnasiums Carolinum den Entwurf
für ein Schulkonzept vorgelegt. In diesen Entwurf wurden Vorarbeiten
zu Grundsatzfragen, die in den letzten Jahren - vor allem bei Tagungen
der schulinternen Lehrerfortbildung - in unserer Schule geleistet worden
waren, aufgenommen; darüber hinaus habe ich Aspekte aus der gegenwärtigen
Diskussion um eine moderne Form des Gymnasiums aufgenommen sowie Überlegungen,
die sich aus der fast 1200jährigen Geschichte dieser Schule ergeben.
Mehr als ein Jahr lang ist dieser Entwurf von einer eigens dazu gebildeten
Kommission aus Lehrern, Eltern, Schülern und dem Vorsitzenden des
Carolingerbundes diskutiert, verändert und ergänzt worden.
Mitglieder dieser Kommission waren:
- Dr. Dirk Bergmannn (Carolingerbund/Ehemaligenverein)
- RealschulL Radulf Beuleke (Mitglied des Personalrats)
- Dr. Ilse Bürmann (Elternvertreterin)
- StD Hermann Cordes (Vertreter des Schulleiters)
- StR' Maria-Christiane Gieseke (Kollegium)
- Jürgen Griese (Elternratsvorsitzender)
- Paul Janikowski (Schülervertreter)
- StR Peter Kraemer (Kollegium)
- Boris Kutscher (Schülervertreter)
- Bringfriede Miege (Elternvertreterin)
- Schulpastor Klaus Schagon (Kollegium)
- OStD Hermann Sommer (Schulleiter)
- Pastor Rüdiger With (Kollegium)
- RealschulL' Maria von Wuthenau (Kollegium)
Die hier vorliegende Fassung hat die Gesamtkonferenz des Gymnasiums Carolinum am 13.02.1995 zustimmend zur Kenntnis genommen.
Osnabrück, den 3.März 1995
Hermann Sommer
(Oberstudiendirektor)
Letzte Änderung: 15.10.2008
Das Bild zeigt einen Ausschnittt aus
einem
Mosaik im Treppenhaus des Carolinums.